«Eine solche Depot-Eröffnung hat Seltenheitswert»

Eröffnung der E-Postauto-Halle in Affoltern ist ein wegweisender Schritt für den öffentlichen Verkehr im Bezirk

Urs Bloch, Mediensprecher von PostAuto AG, eröffnet den Festakt vor einem der bereits gelieferten Elektro-Gelenkbusse der Rolf Stutz AG  (Bilder Marcus Weiss)

Urs Bloch, Mediensprecher von PostAuto AG, eröffnet den Festakt vor einem der bereits gelieferten Elektro-Gelenkbusse der Rolf Stutz AG (Bilder Marcus Weiss)

Die E-Bus-Garage wird durch Firmeninhaber Patrick Stutz, ZVV-Direktor Dominik Brühwiler und Patrick Zingg (PostAuto AG) symbolisch eröffnet. (Bild Marcus Weiss)

Die E-Bus-Garage wird durch Firmeninhaber Patrick Stutz, ZVV-Direktor Dominik Brühwiler und Patrick Zingg (PostAuto AG) symbolisch eröffnet. (Bild Marcus Weiss)

Der sogenannte E-Shuttle, der am Freitagabend die Gäste zum Medien- und Partneranlass zur Eröffnung der ersten Garage für E-Postautos im Knonauer Amt brachte, lieferte einen Vorgeschmack auf die künftige Elektromobilität auf den Buslinien des Bezirks. Der auffallend leise Bus wurde an diesen Abendstunden zum Blickfang, als er ­seine Runden zwischen dem Bahnhof Affoltern und dem neuen Postauto-­Depot der Rolf Stutz AG an der Moosbachstrasse nahe der Autobahn drehte (der «Anzeiger» berichtete bereits am 25. März über die technischen Belange der Busgarage).

«Hier werden die ersten elektrischen Fahrzeuge von Postauto im Kanton Zürich stationiert», erklärte Urs Bloch, Mediensprecher der PostAuto AG, bei seinen Begrüssungsworten in der kurzzeitig zum Festsaal umfunktionierten Halle. Dominik Brühwiler, Direktor des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV), betonte, dass eine solche Depot-Eröffnung ohnehin Seltenheitswert habe, er erlebe es in seiner Zeit beim ZVV zum ersten Mal. Der Ausbau dieser Art von Infrastruktur sei aber dringend notwendig in einer Ära, in der im Kanton Zürich der Bevölkerungszuwachs so gross sei, dass man jedes Jahr etwa 15000 bis 20000 neue Einwohnende zähle.

Die dadurch resultierende Verkehrszunahme führe dazu, dass jährlich ­allein bei Bus und Tram eine 200 Meter lange Fahrzeugkolonne zusätzlich zum bestehenden Wagenbestand in Betrieb gehen müsse, um die steigenden Passagierzahlen bewältigen zu können. «Es ist im Moment tatsächlich so, dass man alle zweieinhalb Jahre eine solche ­Einstellhalle neu eröffnen müsste, um mit dem Zuwachs mithalten zu können», so Brühwiler. Dies stelle eine grosse ­Herausforderung dar, insbesondere auch deshalb, weil es sehr anspruchsvoll geworden sei, überhaupt Bauland für einen solchen Neubau zu finden.

Auch der Aufwand zur Erfüllung der Brandschutzauflagen sei bei einer Garage für Elektrofahrzeuge hoch. Das Ziel sei, dass bis ins Jahr 2040 der gesamte öffentliche Verkehr im Kanton elektrisch betrieben werde. Über alles gesehen erreiche man bereits heute ­einen Anteil von 90 Prozent der Verkehrsleistungen, die mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen ausgeführt würden. Elektrobusse seien teurer in der Anschaffung als Dieselbusse, dies falle aber künftig weniger ins Gewicht, da die Zollbefreiung beim Diesel wegfalle. «Dies führt dazu, dass die Einsparungen beim Verbrauch sich auch finanziell schneller rechnen», legte der ZVV-Direktor dar.

Bis Ende 2026 soll die Elektrobus-Kapazität der Halle ausgeschöpft sein

Gastgeber Patrick Stutz blendete bei ­seiner Ansprache zurück ins Jahr 1951, als ein Onkel seines Vaters, Otto Stutz, in Oberlunkhofen den Grundstein für das heutige Unternehmen gelegt hat. Die Firma sei von Beginn weg von kontinuierlichem Wachstum geprägt gewesen, im Jahr 1994 seien die ersten ­Gelenkbusse angeschafft worden, 2008 habe die neue Verbindung durch den Üetlibergtunnel einen zusätzlichen deutlichen Schub gebracht.

In diesem Jahr übernahm Patrick Stutz den Betrieb von seinem Vater Rolf Stutz, es werden 110 Mitarbeiter beschäftigt und mit 36 Bussen 14 Linien bedient. Vor genau einem Jahr habe man den Spatenstich für das nun fertiggestellte E-Depot gefeiert, ab April stehen nun 26 Plätze für Gelenkbusse sowie die Lade-Infrastruktur bereit. «Es werden siebzig Chauffeure von Jonen und vom Aeugstertal hier stationiert, der neue Standort bedeutet für sie eine gewaltige Umstellung», berichtete Patrick Stutz.

Bereits am 2. April gehe das erste Elektro-Postauto vom Depot Affoltern aus in den Linienbetrieb. Momentan stehen zwei Elektrobusse zur Verfügung, die sich ihren Platz in der Halle zunächst mit Dieselfahrzeugen teilen. Bis Ende Jahr sollen es dreizehn elektrisch betriebene Fahrzeuge sein, die Ausschöpfung der vollen Kapazität werde bis Ende 2026 erwartet.

Vor dem symbolischen Einstecken einer Ladekabel-Verbindung als Eröffnungszeremonie und der Enthüllung eines vom Künstler Patrick Wehrli ­gestalteten Wandgemäldes betonte Patrick Zingg, Leiter Markt und Kunden bei PostAuto AG (Gebiet Nord), dass Gastgeber Stutz von diesem Tag an der grösste Postauto-Unternehmer der gesamten Schweiz sei. Rund hundert solcher ­privaten Unternehmen erbrächten rund die Hälfte der gesamten Transportleistung von Postauto. Die Bevölkerung hatte am Samstag und Sonntag Gelegenheit zur Besichtigung des neuen E-Bus-Depots, mitsamt geführten Rundgängen zur Elektromobilität.

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