Stimmberechtigte sagen ja zu Unterflur-Containern
Beim Grüngut halten die Hausemer hingegen am Bring-Prinzip fest

Es war eine äusserst lebhafte, kurzzeitig sogar hitzige Diskussion, die die Hausemerinnen und Hausemer am Mittwoch an ihrer Gemeindeversammlung erlebten. Dabei ging es vor allem um die geplante Totalrevision der Abfallverordnung. Die vorgeschlagenen Änderungen hatten zu einem Grossaufmarsch von 244 Stimmberechtigten geführt, sodass im bereits eng bestuhlten Gemeindesaal kurzfristig weitere Stühle aufgestellt werden mussten. Es sei «eine der besser besuchten Gemeindeversammlungen der letzten Jahre», stellte Gemeindepräsident Stefan Gyseler zu Beginn schmunzelnd fest. Und mit einer Dauer von zweieinhalb Stunden schliesslich auch eine der Längsten seit Langem.
Angesichts der rund zwei Dutzend Wortmeldungen seitens der Stimmberechtigten fielen die entscheidenden Abstimmungen zum Thema Abfall am Schluss aber überraschend klar aus – und zwar im Sinne des Gemeinderates. Mit grossem Mehr entschied die Versammlung, dass Hausen beim Grüngut und Astmaterial weiter auf eine Bring-Lösung setzt. Und mit ebenso grossem Mehr genehmigte die Versammlung die totalrevidierte Abfallverordnung und damit die flächendeckende Einführung von Unterflur-Containern (UFC). Gegenstimmen gab es nur vereinzelt.
Auch bei den übrigen Traktanden folgte die Gemeindeversammlung den Anträgen des Gemeinderates.
Kein Systemwechsel beim Grüngut
Direkte, konkrete Kritik an der geplanten neuen Abfallverordnung gab es nur wenig. Es liess sich aber aus den Voten der Stimmberechtigten eine gewisse Unsicherheit wegen der vielen offenen Fragen rund um die Unterflur-Container (UFC) heraushören. Auch wurde das Abstimmungsprozedere infrage gestellt, einigen erschien es zu wenig klar.
Nicht gross infrage gestellt wurde die vom Gemeinderat vorgeschlagene Beibehaltung der Bring-Sammlung (Variante A) beim Grüngut und Astmaterial. Die Vorteile eines Wechsels zur Holsammlung (Variante B), bei der das Grüngut vor den Liegenschaften in Container deponiert und von Lastwagen abgeholt wird, schienen zu wenig attraktiv. Abschreckend dürften unter anderem die Kosten gewirkt haben, die auf die Hauseigentümer zugekommen wären: Sie hätten Grüncontainer anschaffen und jährlich Gebühren pro Container von zirka 65 bis 400 Franken (je nach Grösse) zahlen müssen, wie Gemeinderat Ruedi Taverna vorrechnete.
Für Heiterkeit sorgte in diesem Zusammenhang die Frage eines Stimmbürgers, ob man bei der Holsammlung bei Kleinmengen auch «Chübeli» (anstelle von Containern) verwenden könnte. Gegenfrage seitens des Gemeinderats: «Dann soll ein Lastwagen jeweils das Chübeli leeren?»
Daneben wurde der Gemeinderat gebeten, bei der Sammelstelle «Chratz» nach einem einfacheren Zugang zu den Grüngut-Containern zu suchen. Vor allem Ältere hätten Mühe, das Grüngut in den hohen Containern zu entsorgen.
Gemeinde rechnet mit bis zu 20 UFC
Deutlich geladener war die Stimmung rund ums Thema Unterflur-Container (UFC) – wobei bei einigen Voten nicht immer klar war, ob dieses Thema gemeint war oder die Grünabfuhr. Oder beide. So verlangte ein Stimmberechtigter, dass der Gemeinderat die Vorlage komplett überarbeitet, da sie im Saal «für völlige Verunsicherung» sorge und «die Leute nötigt». Auf eine Rückfrage hin forderte der Votant Gemeindepräsident Stefan Gyseler auf, «die Grösse zu haben» und die Vorlage persönlich zurückzuziehen. Gyselers trockene Antwort: «Ich bedauere, die Grösse habe ich nicht.»
Die Unterflur-Container sollen gemäss Gemeinderat innerhalb der nächsten 20 Jahre flächendeckend in ganz Hausen eingeführt werden und die heute am Strassenrand deponierten Kehrichtsäcke und Kehrichtcontainer ersetzen. Die genauen UFC-Standorte sollen erst zu einem späteren Zeitpunkt eruiert werden, gerechnet wird mit ungefähr 20 Sammelpunkten. Die Kosten für die Container selber werden von der Interkommunalen Anstalt Dileca übernommen (an der Hausen finanziell beteiligt ist), für die nötigen Tiefbauarbeiten muss die Gemeinde direkt aufkommen. Falls möglich, so sollen auch die Wertstoffsammlungen (Alu/Stahlblech, Glas, Kunststoffe und allenfalls Papier) in die UFC integriert werden.
Mehrmals angesprochen wurde in der UFC-Diskussion der Verkehr. Als positiv bewertet wurde der zu erwartende geringere Lastwagenverkehr in den Quartieren. Auf der anderen Seite wurde befürchtet, dass vor allem ältere Personen künftig ihren Kehrichtsack mit dem Auto zu den bis zu 350 Meter entfernten UFC fahren könnten.
Bei den entscheidenden Abstimmungen hiessen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die neue Abfallverordnung in allen Punkten mit jeweils grossem Mehr, wie vom Gemeinderat vorgeschlagen, gut. Eine beantragte Streichung der UFC aus der Verordnung (Artikel 7) war zuvor mit grossem Mehr abgelehnt worden.
Ja zu zwei Krediten
Klar gutgeheissen wurden auch eine Teilrevision der Gemeindeordnung (Abschaffung der Tiefbaukommission und der Sozialbehörde) und ein Kredit über 1,225 Millionen Franken für einen Trinkwasserleitungs-Ersatz.
Ein Ja gab es auch zu einem Kredit über 750000 Franken für die Umgebungsgestaltung des Primarschulareals. Der verhältnismässig grosse Betrag beinhaltet auch die von der kantonalen Denkmalpflege gewünschte Wiederherstellung des oberen Pausenplatzes (inkl. Brunnen) aus den Jahren 1958/1970 (Inventar der kant. Denkmalpflege). Abklärungen über eine nachträgliche finanzielle Beteiligung der kantonalen Behörde seien noch im Gang, so der Gemeinderat.
Gutgeheissen wurde zudem ein Antrag, wonach der geplante neue Spielplatz künftig auch während der Schulzeiten für die Öffentlichkeit zugänglich sein muss. Und es wurde der Gemeinderat darauf hingewiesen, dass mit der Neugestaltung der Fussballwiese für die Vereine ein Platz wegfällt bzw. eingeschränkt wird, auf dem bisher gerne mal Festzelte aufgestellt wurden.
Niederlage vor Verwaltungsgericht
Zum Schluss orientierte Stefan Gyseler über die Niederlage der Gemeinde vor dem Verwaltungsgericht im Rechtsstreit um den Neubau der Sporthalle/Tagesstrukturen. Die von einem Unternehmen eingereichte Submissionsbeschwerde hatte einen bis heute anhaltenden Baustopp zur Folge (siehe «Anzeiger» vom Freitag: «Gemeinde Hausen verliert im Turnhallen-Streit»). Der Gemeinderat will nun das Urteil «gründlich analysieren und dann entscheiden, ob sich ein Weiterzug lohnt», wie es in einer Medienmitteilung heisst.