Von Freiheit mit Verantwortung

Säckelmeisterfeier Gesellengut Hausen: René Baumann folgt auf Hugo Lier

Im Traktor-Konvoi, begleitet von fackeltragenden Gesellen, Fähnrich Bruno Götschi (links aussen) und sein Vorgänger Hugo Lier (rechts aussen), flaniert der neue Säckelmeister René Baumann (Mitte) zusammen mit seiner Lebenspartnerin (links) und seiner Schwester (rechts) von Hausen nach Heisch. (Bild Martin Platter)

Als Adam Näf und Lorenz Hägi 1567 ein Wirtshaus in Heisch kauften, weil den beiden Gesellen der Weinpreis des lokalen Wirtes zu teuer war, hätten sie wohl kaum gedacht, dass ihre Initiative mehr als 450 Jahre später noch Bestand haben würde. Bisher trotzte das einstige ­Gesellengut, das sich heute Gesellschaftsgut nennt, dem Wandel der Zeit.

Das Gesellschaftsgut stand von ­Beginn an für eine einzigartige Form der Eigenständigkeit. Die «Freiheit», als ­Gesellschaft von und für die Dorfgemeinschaft ein Wirtshaus und weiteres Gewerbe zu betreiben, wurde von den ländlichen Untertanen gegenüber der Herrschaft aus Zürich als Privileg ­erhandelt. Es wurde jedoch 1803 eingeschränkt, als die Gemeinden in der Schweiz zunehmend wirtschaftliche und administrative Aufgaben übernahmen. Das Gesellengut wandelte sich allmählich von einer wirtschaftlich und solidarisch geprägten (Schutz-)Organisation zu einem Verein mit symbolischer Bedeutung. 1833 brannte das Gesellenhaus zum Hengst in Heisch nieder. Die Gemeinschaft entschied sich für einen Neubeginn und kaufte 1834 den heutigen Hausemer Gasthof Löwen, der 1858 an einen Gesellen für 23000 Franken verkauft wurde.

Herausforderungen der Moderne

Aktuelle Herausforderungen liegen ­damals wie heute bei den Finanzen ­sowie dem Mitgliederbestand und dem Zweck des Vereins. Die Gesellen hatten Anteil an der Liegenschaft mit der Hypothek und das Recht auf Verzinsung. ­Allerdings würde der Zins, der alle drei Jahre an der Säckelmeisterfeier an die Gesellen ausgezahlt wird, nicht ausreichen, um den Verein finanziell zu ­erhalten. Gleichzeitig erschweren Regeln der vererbenden Mitgliedschaft, aber auch der Datenschutz, bestehende Mitglieder, die ohne Nachricht weggezogen sind, zu finden, sowie neue aufzunehmen. Dadurch starben politisch relevante und finanzstarke Familien aus. Erst 1962 wurde die strikte Regelung aufgehoben, nach der Gesellen, die Hausen verliessen, ihre Mitgliedschaft aufgeben mussten. Ende des 19. Jahrhunderts veränderten sich zudem die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Das traditionelle Geschäftsmodell der Gesellenschaft war nicht mehr konkurrenzfähig. Ohne öffentliches Bad, ohne Sägerei, ohne Metzgerei und ohne Wirtschaft blieb vom Zweck der Organisation nur noch das, was in ihrem Namen steckt: das Gesellige.

Säckelmeisterfeier 2025

Die diesjährige 152. Generalversammlung beziehungsweise Säckelmeister­feier begann am letzten Samstag traditionell mit Schüblig und Kartoffelsalat im «Löwen»-Saal. 40 Stimmberechtigte ­sowie geladene Gäste waren anwesend. Die Rechnung wurde mit einem erklecklichen Reingewinn – unter anderem dank des Legaten eines verstorbenen Mitglieds – genehmigt. Aus den Zinsen des Gesellschaftskapitals von 30000 Franken wurde eine Auszahlung von acht Franken pro Geselle beschlossen. Das Eigenkapital selbst bleibt als Schuldbrief dem Restaurant Löwen überlassen. Dass es keine Anträge gab, verkürzte die GV. Daniel Baer trat als Vorsteher zurück, der Vorstand wurde gewählt beziehungsweise bestätigt. Alt Säckelmeister Hugo Lier wurde für sein ­Engagement, darunter 30 Jahre Vorstandstätigkeit und die Initiative zum von Sebastian Brändli verfassten und von der Natur- und Heimatschutzgesellschaft Oberamt gesponserten Büchlein «Freiheit über alles! Über 450 Jahre Gesellengut Hausen-Heisch», mit Standing Ovations gewürdigt. Dann übergab er sein Amt an den neuen, einstimmig gewählten Säckelmeister René Baumann.

Bauer mit zündender Idee?

Mit dem Ebertswiler René Baumann übernimmt ein Milchbauer das Amt des Säckelmeisters. Sein Motto: «Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.» Ein Satz, der im Kontext des Gesellschaftsguts durchaus brisant ist. Während ein Teil der heutigen Gesellen offen für ­innere Entwicklung auf äusseren Wandel wäre und die Kriterien für die Mitgliedschaft aufweichen würde, halten andere Stimmen an der strengen ­Kontingentierung der geschlossenen ­Gesellschaft fest. Um Mitternacht zog der traditionelle Fackelzug, im Konvoi mit acht Traktoren, von Hausen nach Heisch. Die Säckelmeisterfeier, welche musikalisch schwungvoll von den Freiämter Blasmusikern Sixpäck umrahmt wurde, endete mit einem gediegenen Nachtessen in der Löwen-Bar. Der Wille zur Veränderung ist vonseiten des neuen Säckelmeisters da. Ob das Gesellschaftsgut «mit der Zeit geht oder mit der Zeit geht» oder sich gar neu erfindet, wird sich zeigen.

Info: gesellschaftsgut.ch

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